Tausig, Aloys 1820-1885
10 Préludes
für Klavier

Aloys Tausig war ein renommierter Pianist und Schüler von Sigismund Thalberg, dem großen Kontrahenten Franz Liszts. Bekannter ist heute sein Sohn Carl Tausig, dessen Neuausgabe von Clementis "Gradus ad Parnassum" im Unterricht viel verwendet wird.
Die vorliegenden Präludien fanden sich im Nachlaß eines Schülers von Carl Tausig, Gustav v. Lewinsky, der bis 1876 in Berlin lebte und 1897 in St. Petersburg verstarb. Das Manuskript ist mit "Aloys Tausig, komponiert im Jahre 1838" gekennzeichnet, aber es handelt sich offenbar um eine Abschrift, die von wenigstens zwei verschiedenen Kopisten angefertigt wurde, jedenfalls läßt die nicht einheitliche Handschrift dies vermuten. Über den Verbleib des Originals ist nichts bekannt, und die Kompositionen werden in keiner historischen Quelle erwähnt.
Erstaunlich an den Stücken ist das Entstehungsdatum 1838, denn die Nähe zu den Chopinschen Präludien, die erst im September 1839 erschienen, ist in manchen Teilen nicht von der Hand zu weisen: Das erste Stück beginnt wie bei Chopin in C-dur und besteht wie bei Chopin aus einer Daumen-Melodie, die von Arpeggien umspielt wird. Aber nicht nur die Satztechnik, auch der Duktus der Melodie ist ähnlich. Auffällig ist, daß alle zehn Stücke in einer anderen Tonart stehen, und auch wenn die Reihenfolge der Tonarten keine Regelmäßigkeit erkennen läßt, so könnte dies dennoch ein Hinweis darauf sein, daß hier ursprünglich wie bei Chopin vierundzwanzig Präludien in allen Dur- und Molltonarten geplant waren, vielleicht sogar vollendet wurden und verschollen sind.

1. Allegro C-dur
2. Andante a-moll