img/trprt00.jpg Transportvorrichtung für Flügel

Vorbemerkung und Sicherheitshinweise
Die hier vorgestellte Lösung zum Transport von Flügeln im Ein-Mann-Betrieb entstand 1994, sie hat seither zweimal bei Umzügen und mehrfach bei Konzertveranstaltungen ihre Bewährungsprobe bestanden.
Da sie auf ein einziges Flügelmodell (Steinway B) abgestimmt ist, kann sie nicht ohne weiteres für andere Flügel nachgebaut werden. Deswegen wird sie hier auch nur in ihrer prinzipiellen Funktionsweise, nicht in allen Details vorgestellt. Wer sich an Ähnliches heranwagen möchte, muß sich also den Kopf selber zerbrechen, wobei entscheidende Überlegungen in zweifacher Weise auf Sicherheit abzuzielen haben:

• Der Flügel soll nicht beschädigt werden.
• Menschen dürfen nicht gefährdet sein.

Vor dem ersten Probieren wollen also alle Eventualitäten bedacht sein, und Fehler, die zu einem Unfall führen könnten, dürfen gar nicht erst auftreten. Deswegen sei hier vor dem unbedachten Nachbau ausdrücklich gewarnt und darauf hingewiesen, daß sehr viele Detailprobleme zu lösen sind, die hier im einzelnen nicht beschrieben werden.

Materialien
Die Vorrichtung wurde mit einfachsten Materialien hergestellt, die in jedem Baumarkt erhältlich sind. Die Holzteile bestehen aus wetterfestem Sperrholz, dazu kommen ein paar Scharniere, die kräftig genug sein müssen, und die Rollen für den Hund (auch ›Hunt‹), wie Klavierbauer das Rollbrett nennen, auf dem Klaviere bewegt werden.

Die Grundkonstruktion
ist ein Kipp- und Rollwagen, er besteht aus dem erwähnten Hund, an dem zusätzlich ein Rahmen fest montiert ist, der ausklappbare Kufen hat. Auf diesen Kufen wird der Flügel von der waagerechten in die aufrechte Lage gekippt. Die Kufenform ist nicht kreisförmig, sondern elliptisch, was den Kippvorgang deutlich erleichtert, denn die Rundung beginnt so bereits nahe der Flügelmitte, so daß das Eigengewicht des Flügels den Kippvorgang unterstützt. Wo genau die Rundung anfängt, wird dadurch bestimmt, daß der Flügel gerade noch nicht von alleine zu kippen beginnen darf.

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Abb. 1
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Abb. 2
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Abb. 3

Stützräder
Der Schwerpunkt des Kipp- und Rollwagens liegt so, daß der Wagen halb zwischen aufrechte und waagerechte Stellung kippt (Abb. 2), wenn er nicht zunächst durch Stützräder so in der Waagerechten gehalten wird, daß er unter den Flügel geschoben werden kann (Abb. 1). Die Stützradkonstruktion ist leicht zu montieren und zu demontieren, da sie durch einen Schnappverschluß am Gestell fixiert wird.

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Abb. 4 - Stützradkonstruktion
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Abb. 5 - Stützräder montiert

Stützschrauben
Nachdem der Kippwagen unter den Flügel geschoben wurde, wird der Flügel durch vier Stützschrauben angehoben, um die Beine demontieren zu können. Dies geschieht relativ mühelos mit Hilfe von sog. Knarren, da an den Schrauben entsprechende Nüsse fest angebracht sind.
Die Schrauben werden zunächst nur so weit hochgedreht, daß sie am Flügel anschlagen und der Kippwagen dadurch auch ohne Stützräder in der Waagerechten gehalten wird. Jetzt können die Stützräder entfernt werden, was geschehen muß, bevor das Flügelgewicht auf ihnen lastet.
Danach heben die Stützschrauben den Flügel weiter an, bis er vollständig auf dem Gestell ruht und alle drei Beine gleichmäßig in der Luft schweben und abgenommen werden können.

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Abb. 6 - Stützschrauben werden mit Hilfe von Knarren hochgedreht
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Abb. 7 - (Die Lyra wurde bereits vorher abgenommen.)
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Abb. 8 - Die Beine sind demontiert

Der Flügelschwerpunkt
muß selbstverständlich innerhalb des Gestells liegen, sonst würde der Flügel, der jetzt nur noch auf dem Gestell schwebt (s.o. Abb. 8), nach einer Seite wegkippen. Wo die Schwerlinie liegt, wurde vor der Konstruktion des Ganzen anhand eines Flügelmodells im Maßstab 1:10 ermittelt.



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Abb. 9

Der Kippvorgang
kann jetzt problemlos von einer Person eingeleitet werden, die den Flügel an der Diskantseite von Hand anhebt. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt des Flügels so, daß er ab einer bestimmten Neigung in labilem Gleichgewicht ist (Abb. 9) und sozusagen mit dem kleinen Finger gehalten werden kann. Würde man ihn jetzt noch weiter kippen, würde sich der Schwerpunkt zur anderen Seite verlagern, und der Flügel würde von alleine und ziemlich plötzlich auf die Räder des Hunds fallen. Dies wird durch einen Wagenheber abgefangen, der vorher am Hund eingehängt wurde und mit dessen Hilfe der Flügel endgültig auf die Räder herabgelassen wird.
Wichtig wird dieser Wagenheber auch beim umgekehrten Vorgang, d.h. beim Wiederaufstellen des Flügels, wo er den Kippvorgang zunächst einleitet, da hierbei für die ersten Zentimeter relativ viel Kraft benötigt wird.

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Abb. 10, 11 - Wagenheber

Kufen einklappen
Nachdem der Flügel auf dem Hund steht, müssen für den weiteren Transport die Kufen weggeklappt werden. Sie sind mit zwei stabilisierenden Querbrettern, ebenfalls klappbar, mit Hilfe von Flügelmuttern verschraubt, die sich leicht lösen lassen. Die Kufen werden nach außen an den Flügel herangeklappt, die Querbretter nach unten, und zusätzlich ist auch noch die letzte Rundung der Kufen klappbar, da es sonst keine Bodenfreiheit gäbe.

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Abb. 12-14 - Einklappen der Kufen

Der Transport in der Ebene
ist recht problemlos, sofern der Flügel nicht über sandigen Boden oder über Kieswege geschoben werden muß. Allerdings reicht eine einzige Person hierfür nicht aus, man braucht also Helfer. Kleinere Hindernisse wie Schwellen u.ä. lassen sich dabei durch leichtes Anheben bewältigen, wobei der Hund dann nur noch auf zwei statt vier Rollen lastet und Hebelkräfte ausgenutzt werden können, oder sie lassen sich evtl. durch Rampenkeile überwinden.

Stufen
Sofern nur einzelne oder mehrere Stufen von begrenzter Höhe zu bewältigen sind, kann eine Rampe benutzt werden. Zu beachten ist hierbei die nötige Bodenfreiheit, die die maximal mögliche Steigung bestimmt (abhängig von der Länge der Rampe).

Transporte über Treppen sind so nicht möglich. (Ich habe meinen Flügel allerdings auch schon über eine 8 Meter lange, relativ flache Treppe bewegt, indem ich dazu über die gesamte Treppe Holzplatten ausgelegt und eine Elektrowinde benutzt habe, die den Flügel hochzog.)

Das Verladen
des Flügels bereitet am wenigsten Schwierigkeiten, wenn man einen LKW mit Hebebühne benutzt oder einen Pferdeanhänger, der recht tief liegt und eine Rampe hat.
Schwieriger wird es mit Kleintransportern ohne Hebebühne. Deren Ladehöhe liegt bei ca. 80 cm, und auf eine solche Höhe läßt sich ein mehr als 300 kg schwerer Flügel nicht hieven. Hier hilft nur der Bau einer angepaßten Rampe und die Benutzung einer Elektrowinde.
Sehr wichtig ist natürlich die sichere Befestigung im Fahrzeug. Klaviertransporteure nehmen dazu den Flügel vom Hund. Das ist bei meiner Konstruktion nicht möglich und zum Glück nicht nötig:
Der Flügel wird mit der Deckelseite an die LKW-Wand geschoben, und zwischen Flügel und LKW-Wand werden zwei senkrecht stehende Stützhölzer (L-Profil) mit insgesamt 4 Schraubzwingen von ausreichender Spannweite am Flügel befestigt; die Stützen wirken erstens als Bremse für den Hund, sorgen zweitens dafür, daß der Flügel nicht nach vorn oder hinten kippen kann, und dienen drittens als Abstandshalter zur LKW-Wand; der Flügel wird dann durch Spanngurte, die an der Flügelrast und an der LKW-Wand befestigt werden, gesichert.

Abb. 15 - Flügelbefestigung von oben betrachtet:

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Das Wiederaufstellen
des Flügels erfolgt natürlich einfach in umgekehrter Weise wie oben beschrieben:



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