Das Klavier ist verstimmt. – Ach, worüber denn?
(Heinz Erhardt)

Aufstellung

Was ist der ideale Standort für ein Klavier?

Die Antwort läßt sich rein pragmatisch geben: dort, wo das Üben niemanden stört, also möglichst nicht im Wohnzimmer, wo der eine fernsehen will, während der andere üben möchte; wenn möglich, steht es im Zimmer desjenigen, der Klavier spielt. Man sollte sich überlegen, ob dieser Aspekt nicht im Vordergrund zu stehen hat, denn ein Wohnzimmer ist kein Konzertsaal, und das Klavier ist ein Instrument zum Üben.

Sie läßt sich innerhalb eines geeigneten Raumes auch akustisch beantworten: dort, wo es am besten klingt. Das kann man, falls das Zimmer und seine Einrichtung verschiedene Möglichkeiten überhaupt bieten, nur ausprobieren. Manchmal klingt ein Instrument in der einen Raumecke unangenehm klopfend und baßlastig, in einer anderen hell, klar und unaufdringlich. Meist steht es mit dem Rücken zur Wand, aber nicht selten wird der Klang angenehmer, wenn man es mehr oder weniger von der Wand abrückt.

Schließlich läßt es sich klimatisch beantworten, denn Klaviere sind klimaempfindlich und sollten nicht dauernder Sonnenbestrahlung oder Heizkörperwärme und weder zu großer, noch zu geringer Luftfeuchte ausgesetzt sein. Die oft gehörte Regel, daß man sie nicht an Außenwände stellen sollte, dürfte in nicht zu alten, gut isolierten Bauten allerdings kaum noch gelten.
Ideal sind konstante 45-60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit. Ist das Klima zu trocken, so daß es dem Klavier langfristig schaden könnte, helfen – entgegen einem weit verbreiteten Irrtum – Feuchtigkeitsspender auf der Fensterbank, an den Heizkörpern oder im Klavier nichts, denn sie sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und können die Luftfeuchtigkeit nur sehr gerinfügig erhöhen. Besser sorgt man dafür, daß das Raumklima, falls nötig, durch einen Luftbefeuchter insgesamt verbessert wird, der täglich entschieden mehr Wasser verdunsten lassen kann, was nicht nur dem Klavier zugute kommt, sondern auch den Menschen, die sich im Raum aufhalten.
Hygrometer, die die Luftfeuchtigkeit messen, gibt es in jedem Kaufhaus, Luftbefeuchter in Elektrogeschäften; dort bekommt man auch Informationen, welcher Befeuchter zu welcher Raumgröße paßt und welcher gesundheitlich unbedenklich ist (Luftbefeuchter können Keime verbreiten, die zu Erkrankungen führen).
Luftfeuchtigkeit wird übrigens deswegen relativ in Prozent angegeben, weil sie von der Temperatur abhängt: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Deswegen sind kalte Flächen (z.B. Außenwände in schlecht isolierten Altbauten) oft feucht: Die Lufttemperatur sinkt dort, und das Wasser kondensiert, weil die Luft nun weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann und Wasser abgeben muß – was bei höherer Temperatur noch 70% waren, sind nun 100%.


Stimmen

Klaviere müssen gestimmt werden, einmal im Jahr ist das Minimum, zweimal im Jahr die Regel, Profis lassen ihre Instrumente auch öfter stimmen.
Wie haltbar eine Stimmung ist, hängt vom Instrument ab, vom Grad der Nutzung und von der Technik des Stimmers. Insbesondere erwarte man keine Wunder, wenn:
• das Instrument Luftfeuchtigkeits-Schwankungen ausgesetzt ist;
• das Instrument zu selten gestimmt wird;
• das Instrument sehr ausgiebig genutzt wird;
• das Instrument alt ist.
Im letzteren Fall wird der Stimmer auf mögliche Defekte (z.B. lockere Stimmwirbel, Holzrisse u.a.) hinweisen.

Wer sich für das Thema interessiert, findet unter Fachwissen PDF-Artikel zu den akustischen Grundlagen und der Praxis des Klavierstimmens.


Regulieren

Darunter versteht man das Einstellen verschiedener Mechanik-Funktionen. »Auslösepuppen«, »Abnickschrauben«, »Fänger« einstellen, sind nur einige der verwirrenden Begriffe, hinter denen sich jedoch wenig Geheimnisvolles verbirgt, denn die Technik ist im Prinzip simpel und überschaubar, auch wenn das Regulieren Sorgfalt und Liebe zur Sache voraussetzt. Wie oft ein Spielwerk nachreguliert werden sollte, hängt wiederum vom Grad der Nutzung ab und wird sich beim Hobby-Spieler in Grenzen halten. Und auch hier wird der Stimmer darauf hinweisen, wenn nach längerer Nutzung Nachregulierungen nötig werden.

Eine detaillierte Beschreibung der Funktion der Mechanik, der Feinheiten der Regulierung und der Intonation finden Sie hier: Das Spielwerk von Flügeln und Klavieren


Intonieren

Das Wort Intonieren bedeutet eigentlich »anstimmen«, »die Tonhöhe richtig treffen«. Beim Klavier versteht man darunter jedoch nicht die Regulierung der Tonhöhe, sondern der Tonqualität durch die Bearbeitung des Hammerfilzes zur Klangoptimierung.
Bei neuen Instrumenten, die nicht über Gebühr beansprucht werden, wird man nicht so schnell in die Verlegenheit kommen, einen Intoneur zu brauchen. Nicht jeder Stimmer kann nämlich auch intonieren. Es setzt viel Erfahrung, Übung und die entsprechende Ausbildung (meist in einer Klavierfabrik) voraus und ist eine der verantwortungsvollsten Arbeiten am Klavier.
Es besteht in der Hauptsache aus zwei Arbeitsgängen:

• dem Abziehen der Hämmer, d.h. dem Abschleifen der obersten abgespielten Filzschicht und damit der Formgebung der Anschlagsflächen und
• dem Stechen, d.h. der Auflockerung des Hammerfilzes durch Nadelstiche unter laufender Hörkontrolle jedes einzelnen Tones.

Bei sehr weichen, matt klingenden Hämmern kann evtl. eine dritte Arbeit den Klang verbessern: das Tränken des Hammerfilzes mit Lack.
Alle diese Arbeiten können, fehlerhaft ausgeführt, den Hammer ruinieren.

Voraussetzung für das Gelingen der Intonation ist zunächst einmal die einwandfreie Regulierung und Stimmung des Instruments, beim Flügel evtl. aber auch die Korrektur der Anschlagspunkte und der Saitenlage, außerdem müssen die Hämmer noch genügend Substanz haben, dürfen also noch nicht zu oft abgezogen worden sein.


Reparaturen

Man kann am Klavier ziemlich alles reparieren: das Gehäuse aufpolieren oder ganz erneuern, Resonanzbodenrisse flicken oder sogar den ganzen Resonanzboden austauschen, neue Saiten aufziehen und neue Stimmwirbel einsetzen oder den Stimmstock austauschen, neue Hämmer einleimen und andere Mechanikteile erneuern u.v.m. – lohnen aber wird sich das nur, wenn die Reparaturkosten angemessen geringer sind als der Wert des Instruments, denn kein Reparateur kann aus einem alten ein neues Instrument machen.

Ambitionierte, anspruchsvolle Spieler, die ihr Klavier neu erworben und über Jahre intensiv genutzt haben, werden in der Lebensmitte des Instruments dieses generalüberholen lassen. Das kann nach 20 bis 30 Jahren, bei Profis auch eher der Fall sein. Bei guter Substanz des Instruments können der Austausch von Verschleißteilen des Spielwerks, das Auswechseln der Hämmer und das Aufziehen neuer Saiten so dafür sorgen, daß ein Klavier 50 Jahre und länger den Ansprüchen genügt.

Wer ein altes Erbstück besitzt oder eines dieser »schönen alten« Jugendstil-Klaviere o. ä. erworben hat, der findet hier einige Anmerkungen zu der Frage, wann eine Instandsetzung sich lohnt: Restaurierung alter Klaviere.


Transport

Wer in die Verlegenheit kommt, sein Klavier transportieren zu müssen, kann durchaus zur Selbsthilfe greifen. Was man dazu braucht, ist ein Hund (auch ›Hunt‹), das ist ein Brett mit Rollen von ausreichender Tragkraft (ca. 200 bis 400 kg), und evtl. genügend Helfer, wenn Treppen zu bewältigen sind. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn das Instrument sehr schwer ist, denn dann kann es auf einer Treppe nicht nur mühsam, sondern auch gefährlich werden.
Ich habe Klavierspieler schon die Meinung vertreten hören, daß man für den Transport die Mechanik ausbauen sollte. Das Gegenteil ist richtig: Nirgends ist sie besser aufgehoben als im Klaviergehäuse, denn dort hat sie einen schützenden Kasten um sich und ist sicher fixiert, und sie ist sogar extra so konstruiert, daß sie Transporte problemlos übersteht. Es schadet ihr auch keineswegs, wenn man das Klavier im Fahrzeug hinlegt, wenn man sonst keine sichere Befestigungsmöglichkeit hat.
Unbedingt zu vermeiden ist, daß das Instrument zu kräftigen Stößen ausgesetzt wird, evtl. können nämlich schon geringe Fallhöhen genügen, die Eisenplatte, die sehr spröde und unelastisch ist, brechen zu lassen, und die ist dann meist nicht mehr reparabel.
Optimales Transport-Fahrzeug ist ein Pferde-Anhänger, denn der liegt tief und hat eine Rampe.

Flügel wird man kaum selber transportieren, denn die müssen auseinandergenommen, gekippt und fachmännisch im LKW befestigt werden. Das sollte man in jedem Fall eine Spedition erledigen lassen, und zwar eine, die darin Erfahrung hat.
Aber »es gibt nichts, was es nicht gibt.« Und so gibt es auch Vorrichtungen zum Eigentransport von Flügeln (s. Links unter Service). Billiger geht es im Eigenbau. Wer sich für das Thema interessiert, kann sich hier unter Transportvorrichtung Anregungen holen.



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