Akustische Grundlagen der Musik
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–1 Schwingungen –2 Frequenz und Tonhöhe –3 Schwebungen –4 Differenztöne –5 Teiltöne –6 Teiltöne und Klangfarbe –7 Teiltöne und Resonanz –9 Zusammenklänge und Teiltöne –10 Zusammenklänge und Differenztöne –11 Rein ergibt unrein –12 Temperieren –13 Die Temperierte Stimmung –14 Das Cent



12 Temperieren

Wenn bereits sieben Tönen nicht für alle Zusammenklänge rein stimmbar sind, dann natürlich erst recht nicht alle zwölf Töne unserer chromatischen Tonleiter. Die einzige Möglichkeit, trotzdem eine benutzbare Tonleiter zu konstruieren, ist deshalb, Unreinheiten in Kauf zu nehmen, aber sie möglichst klein zu halten, indem man zwischen den verschiedenen Zusammenklängen ausgleicht: Man verteilt die Unreinheit eines Intervalls auf mehrere, die dann alle unrein werden, aber in geringerem Maße. Dieses Ausgleichen nennt man Temperieren (lat. mäßigen).

Es hat im Laufe der Musikgeschichte verschiedene Temperierungen gegeben, z.B. die sogenannte mitteltönige Stimmung, in der die wichtigsten Quinten und Terzen rein sind, einige angeglichen werden und einige unbrauchbar bleiben, wobei man die unbrauchbaren in Tonarten legte, die kaum benutzt wurden.

Solcherart Temperierungen sind heute nur noch von historischem Interesse und nur für Musiker von Belang, die sich um größtmögliche Authentizität bei der Aufführung Alter Musik bemühen. In einem enharmonisch chromatischen Tonsystem, das alle Tonarten und viele Modulationen benutzt, führen sie zu keinem befriedigenden Ergebnis. Deswegen hat sich ungefähr zu Bachs Zeiten eine Temperierung durchgesetzt, die zwischen allen Tonarten ausgleicht, die sog. gleichmäßig temperierte Stimmung. Glaubt man einigen Musikhistorikern, so ist diese nicht dasselbe wie die Wohltemperierte Stimmung Bachs, aber es ist auch nicht bekannt, welche Stimmung Bach für sein Wohltemperiertes Klavier I und II benutzt hat, zweier Sammlungen von je 24 Präludien und Fugen in allen Dur- und Moll-Tonarten.

Weiter mit: 13 Die Temperierte Stimmung


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