Stimmzirkel
Der Stimmer temperiert die ersten zwölf Töne, indem er die Schwebungszahlen der Quinten und Quarten abschätzt. Bleibt er dabei innerhalb einer Oktave, spricht man vom Kleinen Stimmzirkel (bei anderthalb Oktaven vom Großen Stimmzirkel).
Das Notenbeispiel zeigt einen Zirkel, den mir ein Stimmer aus Österreich nannte (Manfred Langer, Klagenfurt) und den schon dessen Vater und Großvater so benutzt haben. Er reicht von es bis d', der mit weißem Notenkopf notierte Ton ist der jeweils zu stimmende. Zunächst wird das a' nach der 440-Hz-Stimmgabel gestimmt, dann das a als reine Oktave zum a', die weiteren Töne als Quarte oder Quinte zum vorherigen. Nach fünf Schritten steht die große Terz a-cis' als Kontroll-Intervall zur Verfügung, nach weiteren Schritten weitere Terzen. Der Zirkel schließt sich, wenn das d' erreicht ist, das mit dem a' eine temperierte Quinte ergeben muß.
Die Stichnoten sind der jeweils erste gemeinsame Teilton der beiden Intervalltöne darunter. Bei temperierten Quinten muß der Teilton eine bestimmte Anzahl von Schwebungen aufweisen (bei reinen Intervallen wäre er schwebungsfrei).
Die Schwebungsfrequenzen, die ich hinzugefügt habe, sind hier nicht in Hz, sondern pro Minute angegeben, entsprechen also Metronom-Angaben. Bei Terzen sind die Schwebungen recht schnell, deswegen ist hier angegeben, bei welchem Tempo 4 Schwebungen pro Metronom-Schlag zu hören sein müssen.

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