Das Spielwerk von Pianos und Flügeln
Was Klavierspieler über ihr Instrument wissen sollten
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Vorwort  –1 Taste, Hebeglied und Hammer  –2 Leder, Filz und Holz  –3 Das Zusammensetzen  –4 Die Achsen  –5 Die Spielart  –6 Niederdruckschwere und Aufgewicht  –7 Die Tastatur  –8 Die Auslösung  –9 Der Nachdruck  –10 Der Fang  –11 Die Schnabelluft  –12 Das Leisepedal  –13 Die Bändchenluft  –14 Die doppelte Auslösung  –15 Die Federn  –16 Die Dämpfung  –17 Die Verschiebung  –18 Die Tonhaltung  –19 Pralleisten  –20 Intonation


10 Der Fang

Wohin der Hammer fällt, wenn er von der Saite wieder abprallt, hatten wir im Vorherigen offen gelassen. Er muß ja, nachdem der Stößer ihn nicht mehr stützt, irgendwo abgefangen werden. Diese Aufgabe übernimmt beim Flügel ein mit Filz und Leder garniertes Holzteil, der sog. Fänger, der an einem Draht auf der Hintertaste befestigt ist. In Berührung mit dem Fänger kommt der Hammer erst, wenn er nach der Auslösung weit genug zurückfällt, dann verkeilen sich Hammer und Fänger, so daß der Hammer sicher fixiert wird und nicht mehr in flatterndes Hin und Her verfallen kann.

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[Abb. 23] Fang beim Flügel

Das Prinzip ist beim Piano dasselbe, nur ist hier der Fänger nicht auf der Taste, sondern am Hebeglied befestigt und verkeilt sich mit einem Gegenfänger an der Hammernuß (Abb. 24). Das ist auch der eigentliche Grund dafür, daß Flügel- und Pianohammerkopf eine unterschiedliche Form haben.

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[Abb. 24] Fang beim Piano

Gefangen wird der Hammer in etwa 15 mm Entfernung von der Saite, das nennt man die Fangweite oder -höhe. Sie ist nicht immer ganz eindeutig zu definieren, weil sie auch von der Härte des Anschlags abhängt, denn je schwungvoller der Anschlag ist, umso tiefer verkeilt sich der Hammer. Der Unterschied zwischen kräftigem und zartem Anschlag bleibt allerdings gering, wenn der Fänger in der richtigen Höhe und Neigung montiert ist. Dann wird der Hammer weder zu tief fallen, evtl. sogar durchrutschen, noch wird der Fang sich allzu leicht wieder lösen. Das soll er nämlich erst, wenn die Taste ein wenig wieder hochkommt. Dies ist eine Frage der Fanghärte, sie hängt von der Neigung des Fängers ab. Die Fangweite hängt von der Entfernung zwischen Hammer und Fänger ab, und man stellt sie ein, indem man den Draht, mit dem der Fänger befestigt ist, vor- oder zurückdrückt, also einfach mit den Fingern zurechtbiegt. Bei manchen Instrumenten ist diese Einstellung nicht sehr dauerhaft, und durch ausgiebiges, kräftiges Spiel wird die Fangweite allmählich zu groß. Das geht auf Kosten der Repetition, regelmäßiges Nachregulieren kann darum sinnvoll sein.

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