Das Spielwerk von Pianos und Flügeln
Was Klavierspieler über ihr Instrument wissen sollten
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Vorwort  –1 Taste, Hebeglied und Hammer  –2 Leder, Filz und Holz  –3 Das Zusammensetzen  –4 Die Achsen  –5 Die Spielart  –6 Niederdruckschwere und Aufgewicht  –7 Die Tastatur  –8 Die Auslösung  –9 Der Nachdruck  –10 Der Fang  –11 Die Schnabelluft  –12 Das Leisepedal  –13 Die Bändchenluft  –14 Die doppelte Auslösung  –15 Die Federn  –16 Die Dämpfung  –17 Die Verschiebung  –18 Die Tonhaltung  –19 Pralleisten  –20 Intonation


15 Die Federn

Was die Stößerfedern des Pianos angeht, erübrigen sich alle Sorgen. Sie werden als Schraubenfedern ausgeführt, und die neigen kaum zum Erlahmen. Einstellen muß man sie nicht, sie sind in ihrer Spannung auf die Funktion abgestimmt, und die Größe der Spannung ist unkritisch, notfalls ist ihr Austausch einfach. Anders die Repetierfedern des Flügels: Abgesehen davon, daß sie minimal teurer sind, ist ihr Austausch recht aufwendig. Sie sind mit einer Achse (neben der eigentlichen Hebeglied-Achse, der Stößer- und Repetierschenkel-Achse die vierte am Hebeglied) befestigt, und um sie zu erneuern, müßte man die Hebeglieder ausbauen. Sie werden wesentlich mehr beansprucht als die Pianofedern, da sie ja nicht nur den Stößer wieder unter die Hammerrolle holen, sondern auch den Hammer wieder hochtragen sollen. Wenn man davon ausgeht, daß ein Baßhammerglied ca. 15 g wiegt, dieses Gewicht an der Hammerrolle etwa versiebenfacht auftritt und, da die Feder ja näher an der Repetierschenkel-Achse angreift, an ihr noch einmal verdoppelt wirkt, zudem zusätzliche Reibungen zu überwinden sind, kann man sich ausmalen, daß die Federspannung erlahmen kann. Aus diesem Grund, und weil sie auf das Hammergewicht genauestens abgestimmt sein muß, ist sie einstellbar. Wie, das hängt von der Bauweise ab.

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[Abb. 37] Herz-Feder (Steinway)

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[Abb 38] Erard-Feder

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[Abb 39] Herz-Feder mit Einstellschraube

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[Abb 40] Keller-Feder

In Abb. 37-40 sind vier verschiedene Federn dargestellt. Die wahrscheinlich günstigste ist die Keller-Feder, der man jedoch kaum einmal begegnet. Die gebräuchlichsten sind die Erard-Feder und die Herz-Feder ohne Einstellschraube, deren Spannung man nur durch Biegen des Federdrahtes verändern kann. Dazu holt man sie mit einem Haken, ähnlich einer Häkelnadel, unter dem Repetierschenkel hervor und biegt sie zum Stärkerstellen hoch, zum Schwächerstellen hinab, dann hängt man sie wieder ein. Die anderen werden mit Hilfe einer Schraube reguliert (s. Pfeile in der Abb.).

Die Höhe der Federspannung macht sich auf vierfache Weise bemerkbar: Erstens bestimmt sie, wie sehr der zurückfallende Hammer den Repetierschenkel hinabdrückt und somit auch, ab welcher Lautstärke er es überhaupt tut; zweitens bestimmt sie, mit welcher Geschwindigkeit der Hammer wieder angehoben wird, was ja ihre eigentliche Aufgabe ist; drittens hat sie Auswirkung auf die Zuverlässigkeit des Fangs, da sie ja den Hammer aus der Fangstellung hinausdrückt; und viertens verstärkt sie, wie erwähnt, den Druckpunkt. Zu bedenken ist außerdem, daß sich mit der Veränderung der Federspannung auch die Ruhelage des Repetierschenkels ein wenig ändert, da eine stärkere Federspannung das Filzpolster an der Einstellpuppe etwas mehr zusammendrückt. Deswegen muß die Federspannung zumindest grob vorreguliert sein, bevor man die Steighöhe einstellt, was bei neuen Federn zu beachten ist.

Die Einstellung der Federspannung erfolgt so, daß der Hammer aus der Fangstellung zügig wieder nach oben getragen wird, wenn der Fang sich löst. Das tut er bereits, wenn man die Taste nur ca. 1 mm wieder hochkommen läßt. Dann drückt die Feder den Repetierschenkel hoch, bis er die Abnickschraube berührt. Jetzt sind noch 1-2 mm weitere Aufwärtsbewegung der Taste nötig, bis der Stößer wieder angreift. Insgesamt reichen also 2-3 mm Tastenbewegung aus, um erneut anschlagen zu können. Je schneller die Feder den Hammer nach oben drückt, umso besser repetiert das Instrument. Dem sind aber Grenzen gesetzt, denn der Hammer würde bei zu kräftigen Federn übers Ziel hinausschießen und gegen die Saite schlagen. Außerdem macht es sich dem Finger recht unangenehm bemerkbar, wenn der Repetierschenkel zu heftig gegen die Abnickschraube schlägt. Die Regel für die Federspannung lautet deshalb, daß sie den Hammer sicher anheben soll, aber in der Taste nicht spürbar sein darf.

Wegen des unterschiedlichen Hammergewichts verwendet man Federdraht in drei bis vier verschiedenen Durchmessern, die einzelnen Hebeglieder besitzen also verschiedene starke Federn, deswegen darf man sie bei der Montage nicht untereinander vertauschen; bei den meisten Mechaniken tragen sie eine aufgedruckte Numerierung.

Der Vollständigkeit halber sei hier noch eine andere Art Federn erwähnt, die von einigen Herstellern am Hebeglied angebracht werden, um das Spielgewicht zu verringern. Abb. 41 zeigt eine solche Tragfeder. Sie bewirkt, daß der Druck auf die Tasten-Pilote vermindert wird, kompensiert also einen Teil des Hammergewichts. Dadurch benötigt man weniger Blei zu Regulierung der Niederdruckschwere, die Massenträgheit der Taste wird geringer. Dazu ist allerdings zu sagen, daß Bleigewichte sich im Laufe der Jahre sicherlich nicht ändern, Federn aber erlahmen können.

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[Abb. 41] Tragfeder

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