Das Spielwerk von Pianos und Flügeln
Was Klavierspieler über ihr Instrument wissen sollten
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Vorwort  –1 Taste, Hebeglied und Hammer  –2 Leder, Filz und Holz  –3 Das Zusammensetzen  –4 Die Achsen  –5 Die Spielart  –6 Niederdruckschwere und Aufgewicht  –7 Die Tastatur  –8 Die Auslösung  –9 Der Nachdruck  –10 Der Fang  –11 Die Schnabelluft  –12 Das Leisepedal  –13 Die Bändchenluft  –14 Die doppelte Auslösung  –15 Die Federn  –16 Die Dämpfung  –17 Die Verschiebung  –18 Die Tonhaltung  –19 Pralleisten  –20 Intonation


18 Die Tonhaltung

Viele Flügel haben noch ein drittes mittleres Pedal. Es geht auf eine Erfindung Steinways aus dem Jahr 1874 zurück. Im Prinzip hat es die gleiche Aufgabe wie das rechte Pedal, nämlich den Dämpfer oben zu halten, ohne daß der Finger auf der Taste bleiben muß. Aber während das rechte Pedal alle Dämpfer anhebt, werden vom mittleren nur die erfaßt, die im Augenblick des Niedertretens gerade angeschlagen sind. Auf diese Weise wird es möglich, einzelne Töne oder Akkorde durchklingen zu lassen, während das rechte Pedal ja immer alle weiterklingen läßt. So wird das mittlere Pedal sozusagen zu einer dritten Hand.

Wessen Klavier kein drittes Pedal besitzt (bei Pianos dient es meist nur dazu, den Moderator einzuschalten), der muß sich nicht grämen. Denn erstens rechnet fast kein Komponist mit seiner Anwendung, und zweitens gibt es in der Klaviermusik nur ganz wenige Stellen, bei denen man es einsetzen könnte. Meistens werden nämlich gleichzeitig mit einigen Tönen, die weiterklingen sollen, auch einige angeschlagen, die nicht weiterklingen sollen, und dann nützt einem das dritte Pedal nichts; es bleibt darum genauso häufig unbenutzt wie die allerletzten Diskanttöne.

Für das Tonhaltepedal ist eine etwas andere Bauform der Dämpferglieder erforderlich. Diese besitzen zusätzliche Läppchen (3), unter die eine Messingstange greift, die die Dämpfer oben hält. Abb. 51 zeigt diese Tonhaltungsstange in Ruhestellung. In Abb. 52 ist die Stange durch Treten des Pedals eingedreht (1) und bewirkt, daß das durch die Taste bereits gehobene Dämpferglied oben bleibt (2), während die Läppchen nicht angeschlagener Töne (4) nicht mit erfaßt werden. Töne, die nach dem Treten des Pedals benutzt werden, werden ebenfalls nicht mehr erfaßt, da deren Läppchen der Stange ausweichen (5).

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[Abb. 51] Tonhaltestange
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[Abb. 52] Dämpferglieder mit Tonhalteläppchen

Die Regulierung der einwandfreien Funktion ist bisweilen heikel, denn die Abstände zwischen jedem einzelnen Läppchen und der Stange müssen sehr genau stimmen. Sehr oft kann man auch bei guten Flügeln feststellen, daß das mittlere Pedal einige Töne nicht erfaßt oder solche erfaßt, auf die es gar nicht wirken soll. Der Pianist kann sich also weder auf das Vorhandensein des dritten Pedals verlassen, noch darauf, daß es immer einwandfrei reguliert ist und auch benutzbar.

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