Ich habe fleißig sein müssen. Wer ebenso fleißig ist, der wird es ebenso weit bringen können.
(J. S. Bach, 1685–1750)

Warum Musikunterricht?

Musik umgibt uns allerorten und jederzeit, ob wir das Radio einschalten oder den Fernseher, einkaufen gehen, im Wartezimmer des Zahnarztes sitzen oder in der Warteschleife einer Telefonanlage hängen, sie rieselt auf uns herab; und vielleicht wird nichts anderes so pausenlos produziert und konsumiert wie Musik.

Offenbar ist sie ein Grundbedürfnis des Menschen. Offenbar aber ist es nicht nur ein Grundbedürfnis, mit fremder Musik die Stille zu durchbrechen, sondern auch ein Grundbedürfnis, Musik selber zu machen – ein Wunsch, der in jedem Kind schlummert und beim Erwachsenen, der das Erlernen des Musikmachens einst versäumt hat, oft genug in dem Stoßseufzer Ausdruck findet: »Ach, hätt’ ich damals doch ...«
So erklärt sich denn auch, warum in einer Zeit, in der die Allgegenwart der Medien und die uneingeschränkte Verfügbarkeit der Musik das eigene Musizieren so gut wie unnötig machen, Kinder, Jugendliche und selbst Erwachsene immer noch in großer Zahl sich mit dem Konsumieren nicht zufrieden geben und Instrumental-Unterricht nehmen. Die Lust am eigenen Tun, obwohl es – oder gerade weil es mit Anstrengung verbunden ist, ist eben größer als die Lust, dem Tun anderer nur zuzusehen oder zuzuhören.

Musik ist Geräusch, das denkt, hat einst Victor Hugo gesagt und damit nur einen wesentlichen Aspekt erfaßt, denn bei kaum einer anderen Tätigkeit sind Geist, Handwerk, Emotion und Sinnlichkeit so eng verbunden wie in der Musik, in der abstraktes Wissen zur hörbaren, erlebten Wirklichkeit wird.

Diese Umsetzung setzt allerdings ein Mindestmaß an Können voraus, das erarbeitet sein will. Musik wird so immer auch zur Arbeit an der eigenen Persönlichkeit, schon deswegen – um ein Beispiel zu nennen – weil sie sich in der Zeit abspielt: Es genügt nicht, einen Ton richtig zu spielen, man muß ihn auch im richtigen Augenblick richtig spielen: Musizieren trainiert die Konzentrationsfähigkeit, und langfristige Studien wollen sogar belegt haben, daß intensive Beschäftigung mit ihr die kognitive Intelligenz steigert. Gibt es eine sinnvollere Freizeitbeschäftigung?

Die Frage ist allerdings, ob man die Musik durch solche positiven Nebeneffekte überhaupt erst rechtfertigen muß und ob sie ohne diese Effekte weniger wertvoll wäre? Immerhin war und ist sie eines unserer wertvollsten Kulturgüter, ohne die unsere Welt den Charme einer Tiefgarage hätte. Außerdem sollte sie selbstverständlicher Bestandteil der Ausbildung junger Menschen sein, denn Musikhören nimmt im Alltag einen nicht minder großen Platz ein wie Lesen und Schreiben.

img/kammermusik.gif
Abb. aus: J. Gedan, »Meine kleine Kammermusik«, Heinrichshofen



Die Zeit bescherte uns viele Genies. Hoffen wir, es sind ein paar Begabte darunter.
(S. J. Lec, 1909–1966, »Unfrisierte Gedanken«)

Bin ich begabt? oder Ist mein Kind begabt?

Diese Frage läßt sich selten mit »ja« oder »nein« beantworten, denn musikalische Begabung setzt sich aus so vielen Faktoren zusammen, daß kaum jemand davon alles vollkommen und kaum jemand nichts davon entwickelt hätte, d.h. der ausgesprochen Hochbegabte ist genauso selten wie der extrem Unmusikalische, der kein Gedächtnis für Melodien hätte, kein Tonhöhenempfinden und kein Gefühl für rhythmisches Agieren.
Dazwischen liegt die überwiegende Mehrheit der »Normalbegabten«, in der die Stärken und Schwächen jedes einzelnen immer unterschiedlich verteilt sind, und deren Unterrichtserfolg meist eher von ihrem Interesse an der Sache abhängt und von der Kontinuität, mit der sie sich mit ihr beschäftigen.
Dabei wird der eine schneller, der andere langsamer Erfolge erzielen. Aber wollte man die Teilnahme am Mathematikunterricht davon abhängig machen, ob jemand in höherem Sinne dafür begabt sei, würde der größere Teil der Bevölkerung wohl nie rechnen lernen...


Die Geige ist ein Instrument, das menschliche Ohr zu kitzeln, indem man einen Pferdeschwanz an Katzendärmen reibt.
(Ambrose Bierce, 1842–1914, »The Devil’s Dictionary«)
Instrumenten-Anschaffung

Klavier – Woher ein Klavier nehmen, wenn noch keines im Hause steht? Neue Instrumente sind recht teuer und gebrauchte auch nicht gerade billig, und falls doch, dann meist in einem Zustand, der auch für den geringeren Preis oft keinen angemessenen Gegenwert bietet und zum Üben unbrauchbar ist.
Der Wunsch, zunächst einmal auszuprobieren, ob der Unterricht fruchtet und ob das Kind dabeibleibt, ist legitim. Wenn man nicht die Möglichkeit hat, sich privat ein Instrument zu leihen, das sonst nicht benutzt wird, bleibt noch die Miete über einen Händler. Viele Händler bieten Mietkäufe gegen eine erträgliche monatliche Gebühr an, man kann dann nach einem halben oder ganzen Jahr immer noch entscheiden, ob man das Instrument kauft. Die Miete wird dabei in der Regel auf den Preis angerechnet.
Bevor man sich entscheidet, tut man gut daran, den zukünftigen Lehrer um Rat zu fragen, denn ist ein Instrument erst einmal gekauft und erweist sich als sehr mangelhaft, wird man es kaum wieder austauschen wollen. Außerdem kann sachkundiger Rat davor bewahren, mehr zu bezahlen, als das Instrument wert ist. Informationen dazu finden Sie hier unter Gebrauchtkauf.

Violine/Viola – Bei Streichinstrumenten gibt es zwischen gebraucht und neu keinen Unterschied. Daß neue Instrumente weniger wertvoll seien, ist genauso ein Mythos wie der, daß besonders alte Instrumente besonders wertvoll seien. (Einen interessanten Artikel hierzu kann man bei www.fritz-reuter.com nachlesen).

Grundsätzlich ist bei Streichinstrumenten das Alter des Schülers, bzw. seine Körpergröße zu beachten:

Violinen gibt es in verschiedenen Größen, die man als Achtel, Viertel, Halbe, Dreiviertel und Ganze Geigen bezeichnet (wobei dies nicht bedeutet, daß eine Achtel-Geige nur ein Achtel der Normalgröße hätte). Die Benutzung kleiner Instrumente ist für Kinder unumgänglich, denn auf einer zu großen Geige kann ein Kind genauso wenig spielen, wie es auf einem Erwachsenen-Fahrrad sicher radfahren kann. Auch hier gilt: Bevor man auf eigene Faust ein Instrument besorgt, sollte man den Rat des Lehrers einholen, der Ihnen sagen kann, welche Größe Ihr Kind benötigt. Evtl. kann er Ihnen für die erste Zeit ein Leihinstrument zur Verfügung stellen.
Auch die meisten Geigenbauer vermieten Instrumente oder sind beim Kauf zu klein gewordener zur Inzahlungnahme bereit.

Viola – auf deutsch heißt sie Bratsche – ist die größere Schwester der Violine, sie klingt fünf Töne tiefer. Oft wird sie erst als Zweitinstrument nach vorherigem Geigenunterricht erlernt, aber man kann, wenn einem der dunklere Klang besser gefällt, auch gleich mit der Bratsche anfangen. Anders als bei der Violine unterscheidet man nicht nach Achtel, Viertel Bratschen usw., sondern gibt ihre Größe in Zentimetern an (Korpuslänge), da auch erwachsene Spieler oft unterschiedliche Größen wählen. Kleine Bratschen für Kinder lassen sich am Anfang durchaus erst einmal durch Geigen ersetzen, die man entsprechend besaitet.

Auch wenn man nicht gleich handgearbeitete Instrumente erwirbt, sollte man bei Geigenbauern oder in Geschäften kaufen, in denen ein Geigenbauer arbeitet. Hier kann man in der Regel für den Anfang auch günstige Fabrikgeigen bekommen, die woanders vielleicht noch billiger sind, aber hier vom Geigenbauer so weit spielfähig gemacht werden, daß der geringe Mehrpreis lohnt.



Einzelhaft am Klavier?

Ob der Einzelunterricht sinnvoller ist als der Gruppenunterricht – oder umgekehrt, ist eine Diskussion, die seit Jahren geführt wird. In Zeiten, in denen öffentliche Gelder knapp sind und die Musikschulen haushalten müssen, und in Zeiten, in denen Dienstleistungen teuer sind, weil über 40 Prozent der Einnahmen an Finanzämter und Sozialversicherer abzuführen sind, versuchen viele Musikschulen und Unterrichtende den Gruppenunterrichts-Anteil zu erhöhen.
Die Diskussion wird eigentlich unnötig kontrovers geführt, denn beide Unterrichtsformen haben Vor- und Nachteile. Im Einzelunterricht kann der Lehrer gezielter und fruchtbringender auf den Schüler eingehen, aber dem Schüler fehlt das Zusammenspiel, falls er nicht zusätzlich in einem Ensemble mitwirkt. Das kann man im Gruppenunterricht einbeziehen, aber hier muß man das Lerntempo auf den Langsameren abstellen, der Schnellere bleibt genauso auf der Strecke wie die eigentlich nötige individuelle Einzelbehandlung von spieltechnischen oder musikalischen Fragen.
Es gibt aber noch einen dritten Weg, nämlich den kombinierten Unterricht: Ein Teil der Zeit wird dem Einzelunterricht gewidmet, ein Teil dem Zusammenspiel, was ganz einfach dadurch möglich wird, daß man Stunden überlappen läßt. Auf diese Weise kann man zwei Schüler mit unterschiedlichem Leistungsstand und sogar mit unterschiedlichen Instrumenten zusammenführen, und beide profitieren davon, ohne auf individuellen Unterricht verzichten zu müssen, zudem verlängert sich dadurch ihre Unterrichtszeit. Bei fortgeschrittenen ambitionierten Schülern wird dabei der Einzelanteil höher liegen müssen als bei Anfängern.



Wieviel soll man üben?

Eigentlich müßte man diese Frage mit einer Gegenfrage beantworten: »Wieviel willst du können?« Wichtiger als die Zeit, die man mit dem Instrument verbringt, ist die Kontinuität, d.h. es ist deutlich fruchtbarer, jeden oder fast jeden Tag zu spielen als nur einmal die Woche längere Zeit. Und sehr junge Anfänger sollten eher mehrmals am Tag zum Instrument greifen, anstatt einmal eine bestimmte Übedauer einzuhalten, die immer vom Alter, vom bereits erreichten Fortschritt und von den Zielen abhängt. Sicher ist nur eines: Ohne eigenes Üben lohnt sich der Unterricht nicht.
Es ist darum wichtig, das Üben von vornherein täglich in den Plan einzubeziehen. Auf die Uhr muß man dabei nicht schauen, sondern allmählich lernen, zielbewußt zu üben, dann ergibt sich die Dauer von alleine. Das mag bei einem Jugendlichen, der zum eigenen Vergnügen musizieren möchte, nur eine halbe Stunde sein, er wird damit nichts Großartiges erreichen, aber bei kontinuierlichem Üben doch einige Fortschritte erzielen; bei jemandem, der mehr aus der Musik machen möchte, wird es entschieden länger sein. Der Geigenpädagoge Shinichi Suzuki pflegte übrigens auf die Frage, ob man denn jeden Tag üben müsse, zu antworten: »Nein, nur an Tagen, an denen man auch etwas ißt«.



Vorspiele...

... sind wichtiger regelmäßiger Bestandteil des Unterrichts: Sie motivieren den Schüler nicht nur zum Üben, sie vermitteln ihm auch, daß er damit nicht alleine steht, sie geben dem Unterricht eine sinnvolle Zielsetzung und haben einen fundamentalen Nutzen: Schüler lernen, was es bedeutet, eine Aufgabe zuende zu führen. In der Regel machen das alle gerne; und auch wenn Aufregung und Lampenfieber zunächst dominieren, sind die meisten hinterher glücklich, es vollbracht zu haben. Wie alles lebt schließlich auch das Musikmachen davon, daß man es nicht nur im stillen Kämmerlein für sich alleine praktiziert, sondern daß andere an dem, was man tut, teilhaben. Neben regelmäßigen Musizierstunden, zu denen Eltern, Freunde und alle Interessierten eingeladen sind, gehört dazu evtl. auch die Teilnahme an Jugend musiziert und für Streicher die Mitwirkung bei Orchesterprojekten.



© 2003–2012 by J. Gedan
www.pian-e-forte.de